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Motto
Die Welt wird im Fremdsein zu meiner Vertrauten,
Die Reflexion meines Spiegels lässt die Nähe aus meiner Ferne erblühen
Bēdil (1644-1721)
Das Motto des 31. Orientalistentages greift ein klassisches Motiv vieler orientalischer Kulturen auf, das des Spiegels. Wir begegnen ihm in der Kunst, der Literatur und der Philosophie als Symbol der (Selbst-) Erkenntnis. Doch stets enthält das Bild des Spiegels einen Verweis auf die Brechung von Realitäten und ontologischen Gewissheiten. So ist Wissenschaft in der Beschäftigung mit fremden Kulturen nie frei von der Projektion eigener Sichtweisen. Solche Projektionen können zum Nachdenken und zur Reflexion führen. Reflexionen als Spiegelungen dagegen bilden Konstruktionen von kulturellen Wirklichkeiten ab. Die Frage nach dem Verhältnis von Realität und Simulation im Sinne Baudrillards, wenn sich Realität von ihrem Abbild nicht mehr unterscheiden lässt, vereint Vor- und Postmoderne. Die Hyperrealität und Virtualität wissenschaftlicher Erkenntnis wird auch orientalistische Fächer im 21. Jahrhundert zunehmend begleiten.
Letzte Änderung: 25.09.2009 um 15:46, Christoph Werner